26.02.2016 Erweiterung auf 18 Loch

Der Ball liegt kurz vorm Ziel: Die Signale für die Erweiterung des Golfplatzes stehen auf Grün. Die Mehrheit der Politiker steht trotz Bedenken von Bauern und Verbänden hinter dem Projekt. FOTO: XAF

VON MICHAEL WILKE

Lilienthal. Ein Landwirt hat 424 Golfbälle gezählt, die bis Ende Januar 2015 auf seine Wiese flogen. Die Bauern in der Nachbarschaft sorgen sich um ihre Kühe und Kälber: Beim Mähen geschredderte Kunststoffbälle könnten mit dem Gras im Viehfutter landen. Das Landvolk fordert Ballfangzäune. Die Landwirte und ihr Verband machen Front gegen die Erweiterung des Golfplatzes um 35 Hektar. Sie werden das Vorhaben kaum noch stoppen können. Der Golfclub will die problematische Spielbahn 2 stilllegen, wenn die Erweiterung des Platzes genehmigt ist. Im Bauausschuss hoben vier Politiker die Hände für den Bebauungsplan „Golfclub Lilienthal II“, bei zwei Enthaltungen und einer Gegenstimme.

Im Rathaussaal bemühte sich Jens Brendler von der Planungs- und Ingenieurgesellschaft Grontmij, die Einwände von Behörden, Verbänden und Landwirten zu entkräften. Deren Stellungnahmen füllen 92 Seiten. Für die Bauern und ihre Vertreter geht es um mehr als um Gefahren fürs Vieh: Wenn der Golfplatz an der Landwehr um 35 Hektar erweitert wird, dann geht das auf Kosten von Wiesen und Feldern. Die Landwirtschaft sichere mit der Erzeugung von Nahrungsmitteln die Versorgung der Gesellschaft, argumentiert das Landvolk. Jeder Entzug von landwirtschaftlichen Flächen gefährde diese Funktion.

Warum der Golfclub bei der Gewichtung unterschiedlicher Interessen bessere Karten hat, erklärte Brendler den Politikern und den etwa 50 Zuhörern im Saal. „Es ist völlig klar, dass es bei dieser Planung zu einer Flächenkonkurrenz kommt“, sagte er. Eine gravierende Beeinträchtigung der Landwirtschaft bedeute das Vorhaben aber nicht. Schwerer wiegen für die Planer und die Gemeinde die Interessen des Golfclubs. Sie verweisen auf die Konkurrenz durch andere Golfplätze. 18 Bahnen seien heute Standard, betonte Brendler im Bauausschuss. Daher sei die Erweiterung „wirtschaftlich notwendig“, um den Bestand der Anlage zu sichern. Daher gewichte die Gemeinde die Entwicklung der Sportstätte höher als die Beibehaltung der landwirtschaftlichen Nutzung.

Greens brauchen viel Dünger

Golfbälle sollen nicht mehr auf Nachbarweiden landen. Darum sollen die neuen Bahnen, im Fachjargon Greens genannt, so angelegt werden, dass die Schlagrichtung von außen nach innen zielt, wie Brendler erklärte. Außerdem verzichte der Golfclub im Falle einer Erweiterung freiwillig auf die problematische Bahn 2, die für das Gros der Fehlschläge aufs Nachbarland verantwortlich ist. Damit würde aus der geplanten 18-Loch-Anlage eine 17-Loch-Anlage.

Lang ist die Liste der Einwände aus ökologischer Sicht. Das Erweiterungsgebiet liegt in einem Vorranggebiet für Natur und Landschaft, in dem sich Moorfrösche und Heuschrecken tummeln. Durch die Gestaltung des Platzes und massive Ausgleichsmaßnahmen für die Eingriffe seien beide Arten aber nicht gefährdet, betonte Brendler. Ein Teil des Golfgeländes braucht so viel Düngemittel wie intensiv genutztes landwirtschaftliches Grünland. Unter den Bahnen und Abschlagsflächen wird der obere Moorboden durch Sand ersetzt. Folglich braucht der Rasen, der stets grünen, gleichmäßig wachsen und kurz geschnitten werden muss, Nährstoffe. Daher stellen Experten die Greens auf eine Stufe mit den Gülleweiden der Bauern. Doch das ist nur die halbe Wahrheit. Denn die Spielbahnen machen nach Angaben der Fachleute nur zwei bis drei Prozent der Gesamtfläche aus. Der große Rest ist „eine extensiv genutzte Fläche“, wie Brendler hervorhob: 97 Prozent würden überhaupt nicht gedüngt.

Die neuen Landschaften sind das stärkste Argument der Planer. Denn im Vergleich zu intensiv gedüngten Wiesen und Feldern haben sie der heimischen Tier- und Pflanzenwelt ungleich mehr zu bieten. Allerdings geht es bei der Erweiterung auch nicht um einen Eins-zu-Eins-Tausch, denn ein Teil des Weidelandes ist heute schon die Heimat von Heuschrecken und Moorfröschen. Unterm Strich bedeutet der Golfplatz aus der Sicht der Naturschützer aber eine ökologische Aufwertung. Typische Landschaftsmerkmale würden integriert, betonte der Planer Brendler, das sei einzigartig. Und der Flächenverbrauch sei wegen der dicht aneinanderliegenden Bahnen („Das ist so nicht üblich“) sparsam.

Das Verkehrsaufkommen wird von den Experten ebenso als unbedenklich eingestuft wie die Zahl der Parkplätze: Das bisherige Areal reicht nach Brendlers Worten aus. Den Grünen Jörg Flömer, der am Ende als Einziger gegen den Planentwurf stimmte, überzeugten die Argumente nicht. Dass ein wertvolles gesetzlich geschütztes Biotop angetastet wird, missfällt ihm, auch wenn ein Ausgleich an anderer Stelle geplant ist. Er glaubt nicht, dass 50 bis 60 Parkplätze reichen. Bei vergleichbaren Vorhaben sei von 100 Stellplätzen die Rede. Und auch den Verlust an landwirtschaftlicher Fläche mochte Flömer nicht klein reden: „35 Hektar sind 35 Hektar.“


Wümme Zeitung

Freitag, den 26. Februar 2016

Seite 1