05.03.2019 Golfer Christophe Schuler reist nach Abu Dhabi

Special Olympic World Games in Abu Dhabi

Schwerer Koffer, große Ziele

Golfer Christophé Schuler aus Lilienthal reist zu den Special Olympic World Games nach Abu Dhabi

Lilienthal. Der Golfer Christophe Schuler aus Lilienthal bricht in dieser Woche nach Abu Dhabi auf. Er darf dann für das deutsche Team bei den „Special Olympics“ starten. Der 30-Jährige ist einer von vier Golfern, die die Bundesrepublik in den Vereinigten Arabischen Emiraten vertreten. „Das wird cool“, blickt der Sportler auf die Reise und die Weltspiele. Wird er gefragt, worauf er sich freue, dann antwortet er: auf Freundschaft, Gemeinschaft, neue Eindrücke und die Herausforderung auf dem Spielfeld, „und auf viele Medaillen“.

Christophe Schuler gehört zu den Menschen mit mentalen Einschränkungen. Seine Krankheit hindert ihn jedoch nicht daran, seine Leidenschaft, den Golfsport, intensiv auszuüben. Kaum ein deutscher Spieler mit Handicap hat ein besseres Handicap als er. Golf ist wie eine Therapie für ihn, es hat ihn selbstbewusster gemacht. Seitdem Schuler weiß, dass er in Abu Dhabi dabei sein wird, trainiert er noch mehr.

Es wird seine erste große Reise werden, die er ohne seine Eltern unternimmt. „Da ist es wichtig, dass er weiß, was ihn erwartet und wo er hinkommt“, erzählt seine Mutter Dorothea Schuler, die Dubai und Abu Dhabi von einer Kreuzfahrt kennt. So kann sie ihrem Sohn anhand von Fotos und auf der Landkarte jene Orte zeigen, die auch er erleben wird. In seinen Reise-Kalender hat sie wichtige Notizen und Termine eingetragen, da er einen festen, strukturierten Tagesablauf brauche, so Dorothea Schuler. Also verständlich, dass bei all der Vorfreude bei ihr auch ein wenig Aufregung mitschwingt: „Es gibt viel vorzubereiten, ich hoffe, dass alles gut geht.“ Sie ist sich jedoch sicher, dass die Reise ihrem Sohn gut tut und ihn in seiner Entwicklung weiterbringt.

Ladekabel nicht vergessen

Abseits vom Sport freut sich Christophe Schuler auf die große Moschee in Abu Dhabi. Seine Mutter hat ihm auch von diesem architektonischen Kunstwerk erzählt, das Platz für 40 000 Gläubige bietet. Die frühere Französisch-Lehrerin begleitet ihren Sohn zwar nicht auf der Reise. Sie fliegt aber zusammen mit einer alten Schulfreundin hinterher. Die beiden Frauen kommen in einem Hotel unter, 30 Kilometer von Abu Dhabi entfernt. So ist sie während des zweiwöchigen Aufenthalts für ihren Sohn immer in Reichweite. Den Kontakt wollen Mutter und Sohn über Handy halten. Also bloß nicht das Ladekabel und den wichtigen Adapter vergessen, sagt sie sich.

Groß, grau, Deutschland-Adler und Schriftzug „Germany“ – noch ist Schulers Rollkoffer, an dem ein Anhänger mit dem Logo des Lilienthaler Golfclubs baumelt, nicht ganz gepackt. Neben jenen 22 Kleidungsstücken, die alle deutschen Athleten tragen sollen, kommen noch leichte Sommerkleidung und Sonnencreme dazu. Für seine 21 Kilo schweren Golf-Tasche ist Christophe Schuler allein zuständig. Zur Ausrüstung gehören sechs Schläger, Putter, Golfbälle, Sonnenschirm sowie Handschuhe und Golfschuhe.

Schuler und die anderen Mitglieder der deutschen Delegation hatten im Januar Gelegenheit, sich kennenzulernen. Sie fliegen bereits ein paar Tage vor der Eröffnungsfeier nach Abu Dhabi. Vor den Wettkämpfen sollen sich die Sportlerinnen und Sportler frühzeitig an die Umgebung und das Klima gewöhnen können. Sie trainieren und lernen zudem die Kultur der Region kennen. Für Familie Schuler geht es am kommenden Donnerstag mit dem Auto los nach Hannover. In der Landeshauptstadt steigt Christophe Schuler dann am nächsten Morgen mit anderen Sportlern in den Flieger nach Frankfurt. Von dort geht es zunächst nach Dubai und weiter nach Abu Dhabi. Ein Sieben-Stunden-Flug. Begleitet werden er und die anderen deutschen Athleten von Betreuern.

Die Tage bis zum Abflug wollen Dorothea Schuler und ihr Mann so gestalten, dass ihr Sohn so wenig Hektik wie möglich erlebt. Unnötige Unruhe ihrerseits würde sich nur auf ihren Sohn übertragen. Auf der anderen Seite sei er unternehmungslustig, offen und habe ein unendliches Vertrauen, dass seine Eltern „alles können und regeln“. Sie selbst versuche, immer positiv zu denken.

Ehrung in Bremen

Vor der Abreise stehen allerdings noch wichtige Termine auf dem Programm des jungen Golfers, der im Niels-Stensen-Haus wohnt und sich dort sehr wohlfühlt. Lilienthals Bürgermeister Kristian Tangermann und der Präsident der Golfclubs, Claus Kleyboldt, haben ihn bereits verabschiedet und ihm viel Erfolg gewünscht. Ministerpräsident Stephan Weil wollte Schuler und den zwei anderen Athleten aus Niedersachsen am Montag in der Staatskanzlei in Hannover alles Gute wünschen. Und an diesem Dienstag, 5. März, wird der Lilienthaler, der in Bremen geboren wurde, während der Sportgala im GOP Varieté-Theater Bremen, zum Behindertensportler des Jahres 2018 geehrt.

Was ihren Sohn auszeichnet? Dorothea Schuler beschreibt es so: Er sei ihr kleiner Prinz, von einem entfernten Asteroiden auf die Erde gekommen, der seinen Eltern vorlebe, was in Saint-Exupérys gleichnamigem Buch stehe: „Man sieht nur mit dem Herzen gut, das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar.“

Special Olympics

Abu Dhabi ist Gastgeber der Special Olympics 2019. Die Wettbewerbe finden vom 14. bis 21. März statt. Über 7500 Athleten aus 192 Ländern messen sich in 24 Sportarten wie Basketball, Golf, Tennis, Judo und Rhythmische Sportgymnastik. Betreut werden sie von 4000 Trainern. 20 000 freiwillige Helfer werden die Organisation der Spiele unterstützen. Zu den Wettkämpfen in der Zayed Sports City, im Hazza Bin Zayed Stadium, der New York University, dem Abu Dhabi Equestrian Club und dem Abu Dhabi Yacht and Sailing Club werden mehr als 500 000 Zuschauer erwartet. Die Weltspiele für Menschen mit mentalen Beinträchtigungen gelten als die weltweit größte inklusive Sportveranstaltung.

Bildunterschrift: Christophe Schuler beim Abschlag auf der Driving Range im Golfclub Lilienthal. Foto: Maximilian von Lachner

Quelle:

Wümme Zeitung vom Dienstag, den 5. März 2019

Seite 2 Lokales