26.07.2017 Spatenstich für die Erweiterung auf 18 Bahnen

Schaufeln für den ersten Abschlag

Lilienthals Golfplatz wächst um 30 Hektar

Lilienthal. Für den ersten Spatenstich war's ein bisschen spät. Als Dietrich Schuler, treibende Kraft der Platz-Erweiterung beim Golfclub Lilienthal, und Bürgermeister Kristian Tangermann am Dienstag ein paar Brocken aus dem braunen Boden schaufelten, dehnte sich die planierte Fläche hinter ihnen bereits bis zum Horizont. Regentropfen fielen aus grauen Wolken, doch die Golfclub-Präsidentin Gisela Keßler strahlte über das ganze Gesicht. Für den Club war's ein großer Tag. Bisher spielen die Golfer auf elf Bahnen. Bald werden es 18 sein. Noch misst der Platz an der Landwehr 29 Hektar. Jetzt kommen 30 Hektar dazu.

Ein paar rotbraune Rinder reckten in sicherer Entfernung neugierig die Köpfe. Mit Leuchtfarben besprühte Holzstäbe markieren die Grenze zwischen ihrem Weideland und der künftigen Spielfläche, die üppig grün werden soll. Ein Gewinn für Landschaft und Natur, wie Dietrich Schuler den Clubmitgliedern und Ehrengästen erklärte. Früher dehnte sich der Mais nach seinen Worten bis zum Horizont. Nun soll der weitläufige Golfplatz mit feuchten Nischen der Natur auf die Sprünge helfen. In einem Teich soll der blaue Moorfrosch fruchtbar sein und sich mehren. Feuchte Mulden sollen der Vogelwelt Auftrieb geben. Schutzzonen für Wachtel, Rebhuhn und Feldlerche sind in den Bauplänen festgeschrieben. Geschützt werden Fluchtdistanzen von 100 bis 120 Metern. Wer näherkommt, schreckt die Vögel auf, sie flüchten. In Bremerhaven habe die Wachtel für einen Baustopp gesorgt, erklärte Schuler. In Lilienthal werde das nicht passieren.

Kritik haben die Erweiterungspläne der Golfer von Anfang an begleitet. Einige Bauern und ihr Landvolkverband klagten, dass der Landwirtschaft immer mehr Fläche entzogen werde. Andere fürchteten, dass Golfbälle auf ihre Wiesen fliegen und in den Mägen der Kühe landen könnten (wir berichteten). Der Golfclub reagierte, legte eine Bahn still und beschränkte den Spielbetrieb auf elf Bahnen.

Für den Club, der an einer guten Nachbarschaft mit den Landwirten interessiert ist, geht es auch um die Sicherung seiner Existenz. Das hat die Präsidentin Gisela Keßler mehrmals betont, und das betonte auch Dietrich Schuler, Diplom-Kaufmann und Professor. Neun oder zwölf Spielbahnen reichen heute nicht mehr. Gefragt sind Plätze mit 18 Löchern. Schließlich sind die Lilienthaler nicht allein auf der Welt. Die nächsten Golfplätze liegen in Bremen und Vollersode.

Die große Chance kam im März 2011, wie Schuler den Mitgliedern und Ehrengästen im Clubhaus erklärte. Ein Landwirt bot dem Club 15 bis 16 Hektar Fläche an, weil er keinen Nachfolger für seinen Hof fand und den Betrieb aufgab. "Wir mussten uns kurzfristig entscheiden", sagte Dietrich Schuler, damals noch Vizepräsident des Golfclubs. "Hätten wir das Angebot nicht wahrgenommen, hätten wir nie wieder die Chance gehabt, einen 18-Loch-Golfplatz zu bauen. Dann wäre die Fläche nicht mehr da gewesen." Bei einer Mitgliederbefragung votierte die große Mehrheit für die Platz-Erweiterung, wie die Präsidentin Gisela Keßler berichtete.

So pachtete der Club die 16 Hektar langfristig. Nach und nach kamen weitere Flächen von anderen Bauern dazu. Als Pachtland. "Kaufen wäre zu teuer gewesen", sagte Schuler. "Wir sind kein Club der Millionäre." Doch mit den Pachtverträgen war es nicht getan. Es begann ein planerischer Hürdenlauf zum Ziel, der Club brauchte einen langen Atem. Zahlreiche Schutzvorschriften waren einzuhalten, oft mussten Pläne umgeschrieben, musste neu gezeichnet werden, wie Schuler betonte. Der Diplomkaufmann gründete eine Investorengruppe, die die Platzerweiterung plante, Baukosten und Finanzierung übernahm. Die 16 Mitglieder haften für die gesamte Investitionssumme von rund 600 000 Euro. Dietrich Schuler und Klaus Konertz übernahmen die Geschäftsführung der Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR).

Der Golfclub pachtet die von der Investorengruppe finanzierte Anlage über Jahrzehnte so lange, bis er genug Geld hat, um sie zu kaufen. Das ist der Plan. Vor dem ersten Spatenstich lobte Schuler die Gemeindeverwaltung für ihre "große Hilfestellung". Die Gemeinde habe ihren Flächennutzungsplan ändern und einen Bebauungsplan aufstellen müssen. 100 Seiten mit Einwänden habe die Verwaltung beantworten müssen. Das Planungsbüro Sveco, das anfangs noch Grontmij hieß, musste nach Schulers Worten "immer neue Auflagen" in die Erweiterungspläne einarbeiten. Der Architekt Christian Althaus musste "x-mal umzeichnen".  Selbst der Böschungswinkel für den Moorfrosch-Teich war als behördliche Vorgabe einzuhalten.

Bei all den Vorgaben zum Schutz von Natur und Landschaft soll ein für Golfer möglichst attraktives Gelände geschaffen werden, nach Schulers Worten eine besondere Herausforderung. "Spielerisch sinnvoll" soll das Gelände sein, außerdem dürfen die Bahnen nicht zu weit auseinander liegen. Denn beim Golfclub spielen auch viele Menschen mit Behinderungen. Menschen mit Handicaps sind auch die Green-Keeper vom Niels-Stensen-Haus, die Pfleger des Grüns der Spielflächen.

Eine weitere Vorgabe machte die Planung noch komplizierter. Das erweiterte Areal soll auch für neun-Loch-Turniere geeignet sein. Die seien bei jüngeren Spielern beliebt, erklärte Schuler. Vorteil für den Club: Während ein Neun-Loch-Turnier läuft, können andere Golfer die übrigen neun Löcher in den Blick nehmen.

Gegründet wurde Lilienthals Golfclub 1998 als erster integrativer Club in Deutschland von ein paar Dutzend Mitgliedern. Heute sind es 552. Die Zahl soll auf 600 bis 700 steigen. "Wir hoffen, dass wir durch die Erweiterung gute und sehr gute Spieler dazubekommen", sagte Dietrich Schuler der Redaktion. Auch für Menschen mit Behinderungen will der Club attraktiv bleiben. "Wir brauchen beide", sagt Dietrich Schuler. "Die guten Spieler und die Spieler mit Handicap."

Quelle:

Wümme Zeitung vom Mittwoch, 26. Juli 2017

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Lokales

Von Michael Wilk

Foto: Henning Hasselberg