18.05.2018 International Lilienthal Open

International Lilienthal Open

Offene Türen

Golfclub Lilienthal lädt Aktive mit Behinderungen zum Pfingstturnier und führt so die Idee seiner Gründer fort

Lilienthal. So ein Abschlag ist schon eine Herausforderung. Leon haut immer wieder zu, aber ein ums andere Mal bleibt der Schläger im Boden hängen. Irgendwann trifft der Junge dann doch, und der Ball zischt durch die Luft, so dass manch einer den Kopf einziehen muss. Golf ist ein anspruchsvoller Sport und gerade für Menschen mit Behinderungen eine Herausforderung. Dirk Baumgartner weiß das nur zu gut. Der Lehrer der Oberschule Ronzelenstraße in Bremen-Horn betreut neben Leon noch ein paar mehr Schüler, die am Wochenende beim Pfingstturnier des Golfclubs Lilienthal ihren großen Auftritt haben.

Die drei Jungs, die er an diesem Tag dabei hat, machen das alles nicht zum ersten Mal. Sie sind Mitglieder der sogenannten Moorfrösche, einer Gruppe Förderschüler mehrerer Schulen aus Lilienthal, Grasberg und Bremen, die beim Golfclub die Gelegenheit haben, die Sportart zu lernen. Das ist keineswegs immer nur spaßig, wie Baumgartner betont. Seine einfach oder mehrfach behinderten Schüler seien nicht per se sportbegeistert und wiesen obendrein so manche motorische Schwäche auf: "Und das trifft sich eigentlich nicht so gut mit einem Sport, in dem es auf die Feinmotorik ankommt." Dafür brächten sie Leidenschaft mit, und sie ließen sich auch nicht von ihrem Weg abbringen, wenn es mal nicht so gut läuft. Erst neulich habe er zwei von ihnen auf dem Gang getroffen: "Da haben sie mich gefragt, wann wir endlich wieder Golf spielen gehen."

Fragte man ihn heute noch mal, dann fiele die Antwort leicht: An diesem Wochenende, 19. bis 21. Mai, veranstaltet der Golfclub die 14. International Lilienthal Open. Am Sonnabend ab 10 Uhr messen sich auf dem Platz am Klostermoor zunächst Spieler mit doppeltem Handicap miteinander. Am Sonntag ab 9 Uhr stehen dann die Open auf dem Plan, für die sich sogar Amateurspieler aus Dänemark und Finnland angekündigt haben. Am Montag, 9.30 Uhr, wird dann das Fritz-Martin-Müller-Turnier eröffnet, das dem vor zwei Jahren gestorbenen Mitgründer des Clubs gewidmet ist und Erwachsenen und Kindern mit Behinderungen die Möglichkeit gibt, im Team miteinander zu spielen. Müller war nach einem Unfall halbseitig gelähmt und suchte in den Neunzigerjahren nach einer Möglichkeit, die therapeutische Wirkung des Golfsports für sich zu nutzen. Er fand aber kein Angebot und gründete mit drei anderen kurzerhand den Golfclub Lilienthal. Die Prägung, die Müller und Kollegen dem Club damals mitgaben, gibt es bis heute: Inklusion ist dort Alltag, auch wenn der Anteil der Mitglieder mit Behinderungen zurückgegangen ist, wie der Club-Vizepräsident Ulrich Kütz erzählt: Betrug er zu Müllers Zeiten noch 25 Prozent, liegt er heute bei etwa einem Zehntel.

Lehrer Dirk Baumgartner aber kann nicht erkennen, dass vom alten Club-Geist etwas verloren gegangen ist. Im Gegenteil: "Hier sind für uns alle Türen offen, und das ist keineswegs normal." So fiebern seine Schüler dem Wochenende auch schon entgegen. Das ganze Drumherum, die vielen Menschen, die Eltern und Großeltern mit dabei und am Ende eine Siegerehrung – "Wann", fragt Baumgartner, "gibt es so was schon mal für diese Zielgruppe?"

Auch Claus Kleyboldt fiebert dem Pfingstturnier entgegen. Erst vor zwei Monaten war er zum Präsidenten des Golfclubs gewählt worden. Das jetzt anstehende Turnier, das die Volksbank Osterholz-Bremervörde mit 1000 Euro unterstützt, ist für ihn einer der Höhepunkte im Jahresprogramm seines Clubs. Wenngleich der wahre Höhepunkt erst im Spätsommer folgt: Am 8. September soll der neue, auf 18 Bahnen erweiterte Golfplatz eingeweiht werden, der Termin ist nun fix, wie Kleyboldt verriet.

Momentan aber stocke das Projekt, denn ein auf der Erweiterungsfläche brütender Bussard habe für einen Baustopp gesorgt. Den Pfingstgolfern aber wird der Vogel nicht ins Handwerk pfuschen. Die spielen einfach drumherum.

Bildunterschrift: Feste druff! Jung-Golfer Leon legt einen sauberen Abschlag hin und bringt seinen Betreuer Dirk Baumgartner zum Staunen.

 

„Hier sind für uns alle Türen offen, und das ist keineswegs normal.“

Dirk Baumgartner, Lehrer

Quelle:

Wümme Zeitung vom Freitag, 18. Mai 2018

Seite 2 Lokales

Von André Fesser

Foto: Maximilian von Lachner