10.08.2018 Eröffnung der neuen Anlage verschoben

Kein Platz für Golfer

Eröffnung der neuen Anlage verschoben – Trockenheit wirft Lilienthaler Club um Monate zurück

Lilienthal. Es regnet wieder. Aber es wird wohl nicht reichen. Seit Wochen leiden Landwirte, Kleingärtner, Parkaufseher und Platzwarte unter der Trockenheit. Und auch wenn es jetzt mal stürmt und schüttet, kann die Natur den Rückstand in diesem Jahr kaum noch aufholen. Ein prominentes Opfer der Dürre ist auch der Golfclub Lilienthal. Am 8. September wollte der Club seine erweiterte Anlage einweihen. Doch daraus wird wohl nichts – die Rasensaat ist wegen der Trockenheit nicht aufgegangen. Große Teile der neuen Bahnen, die sogenannten Fairways, ähneln einer Mondlandschaft.

Rund 600 Mitglieder hat der Club, und die meisten von ihnen können es kaum erwarten, endlich die neuen Bahnen zu bespielen. Für die Erweiterung der 12-Loch-Anlage auf 18 Bahnen hat eine Investorengesellschaft rund 35 Hektar Land von einem benachbarten Landwirt gepachtet. Im vergangenen Jahr ging der Umbau los, auf Basis der Planungen eines spezialisierten Architekten hat man das Gelände umgestaltet, Bahnen gezogen, Bunker angelegt, Biotope geplant und im Zentrum der neuen Anlage sogar einen größeren Teich geschaffen. "Eigentlich", so Club-Präsident Claus Kleyboldt, "sind wir seit Winter fertig. Nur das Wetter hat nicht mitgespielt."

Das ist deshalb kurios, weil es vor einem Jahr noch ganz anders aussah. Anhaltende Niederschläge im Sommer 2017 ließen den Golfplatz regelrecht absaufen. Daraufhin hat man die Pläne für die Platzerweiterung noch angepasst, sagt Dietrich Schuler, Geschäftsführer der Investorengesellschaft, die den Ausbau zu stemmen hat. So habe man die Entwässerung verbessert und einige Wege so befestigt, dass sie der Nässe standhalten können. 600 000 Euro sollte die Erweiterung kosten, hieß es. Durch die Zusatzarbeiten sind nun weitere Kosten entstanden, deutet Schuler an. Und ergänzt: "Gegen Hochwasser sind wir versichert, gegen Trockenheit nicht."

Somit hat Chef-Greenkeeper Lennard Evers zurzeit alle Hände voll zu tun, um gegen die Trockenheit anzuarbeiten. Die Situation in diesem Sommer stellt ihn dabei vor eine ganz neue Herausforderung. Seit zwölf Jahren schon arbeitet er als Greenkeeper: "Aber sowas wie in diesem Jahr habe ich auch noch nicht erlebt." Beim Spaziergang über den Fairway zeigt er die trockenen Stellen und die Saat, die überall verstreut liegt, aber nicht angewachsen ist. Beim Griff in den Boden rieselt ihm der staubige Grund durch die Finger. An diesem Ort, so sagt seine Miene, ist kein Platz für Golfer.

Dabei biete der moorige und schwer durchlässige Boden auf dem Golfplatz in Lilienthal unter normalen Umständen im Sommer eigentlich eher günstige Bedingungen, denn der Boden bleibe länger feucht: "Dann sind wir noch grün, wenn die anderen Plätze längst trocken sind." Doch jetzt ist alles anders, daher werde ein Teil der Anlage nachts auch bewässert, mit Grund-, nicht mit Trinkwasser. Die Abschlagfelder und die Grüns, die Stellen also, wo die Bälle in die Löcher gespielt werden müssen, sehen somit recht gut aus – dichtes, sattes Grün, kurz geschoren. Aber alles, was dazwischen liegt, ist ausgetrocknet. Das muss man hinnehmen, denn eine Bewässerung der gesamten Anlage wäre wohl auch gar nicht genehmigt worden, vermuten die Teilnehmer der Platzbegehung. Die Wassermenge, die man aus dem Boden fördern müsste, würde sich verfünffachen.

Somit richtet sich der Blick in diesen Tagen wie bei vielen anderen Menschen in der Region auch, immer mal wieder gen Himmel. Regen muss her, und das nicht nur einmal. Sieben, acht Tage müsste schon Wasser vom Himmel fallen, schätzt Club-Präsident Kleyboldt, damit die Saat aufgeht und man die erweiterte Anlage noch in diesem Jahr in Betrieb nehmen könnte. Offiziell spricht man zurzeit von einer Verlegung der Eröffnung um vier Wochen. Doch clubintern geht man längst davon aus, dass man erst im kommenden Jahr starten kann. Und da das Jahr erst mal mit dem Winter beginnt, würde es vor April kaum etwas werden mit dem Spiel auf den neuen Bahnen.

Von einem Schaden will man im Golfclub bislang aber nicht sprechen. Die Verzögerung kostet den Club kein Geld, da die Investorengesellschaft zugesichert hat, dem Club eine spielfertige Anlage zu übergeben. Lediglich in dem Bemühen, neue Mitglieder anzulocken, werde man nun ein paar Monate zurückgeworfen, sagt Claus Kleyboldt. Er hegt große Hoffnungen, dass der Lilienthaler Golfsport einen Attraktivitätsschub erhält, wenn die Anlage 18 Bahnen aufweist. Doch die sollen auch was hermachen, sagt Dietrich Schuler: "Wenn man eröffnen will, muss man auch was vorzeigen können. Sonst kommen alle her, um zu gucken, und sind am Ende enttäuscht."

Für die Mitglieder, die schon da sind, hat die Trockenheit auch etwas Gutes. Auf den vorhandenen Bahnen kann man nämlich noch gut spielen. Und so mancher Ball, der bislang auf halber Strecke zum Loch im hohen Gras stecken geblieben wäre, rollt auf dem trockenen Grund einfach weiter, ein Stück näher ans Ziel. Aus manchem verpatzten Schlag kann somit doch noch was werden.

Quelle: Wümme Zeitung vom 10. August 2018 Seite 1

von André Fesser

Foto: Maximilian von Lachner