20.12.2018 Herbert Schoess golft auf allen Kontinenten

Golfen auf einem Hochhausdach in Tokio

Lilienthals Herbert Schoess hat seinen Sport bereits auf fast allen Kontinenten betrieben – mit einer Ausnahme

Lilienthal. Bei Herbert Schoess vom Golfclub (GC) Lilienthal handelt es sich um jemanden, der beruflich viel rumgekommen ist auf der Welt. Dennoch fehlt dem 81-Jährigen mit Australien noch ein Kontinent, auf dem er noch kein Golf gespielt hat. „Das wäre schon noch ein Traum von mir. Aber ich habe in meinem Alter auch keine große Lust mehr auf solch lange Reisen“, sagt Schoess.

Geboren wurde das Mitglied der Lilienthaler AK70-Formation in Mühlheim an der Ruhr. Nach seinem Maschinenbau-Studium verschlug es ihn erst nach München und im Jahre 1969 nach Bremen. In der Bremer Neustadt war Herbert Schoess als Verkaufsleiter für den Pumpenhersteller KSB tätig. Im Jahre 1972 baute Schoess mit seiner Ehefrau Eva ein Haus in Lilienthal. Sieben Jahre später zog das Ehepaar zusammen mit seinen Söhnen Thomas und Matthias, die heute 48 beziehungsweise 43 Jahre alt sind, für fünf Jahre in die venezolanische Hauptstadt Caracas.

„In Crash-Kursen habe ich damals spanisch gelernt“, erinnert sich der Weltenbummler zurück. Seine Kinder besuchten die deutsche Schule in Caracas. Die KSB-Fabrik in Venezuela befindet sich jedoch in Valencia, das etwa vier Autostunden von der Hauptstadt entfernt liegt. „Damals war es zwar noch nicht so gefährlich in Venezuela, aber doch auch schon eine große Herausforderung für uns“, räumt Schoess ein, der als Geschäftsführer der KSB-Filiale fungierte. Nach fünf Jahren in Hannover verschlug es die Familie schließlich für fünf weitere Jahre in die spanische Hauptstadt Madrid, wo Schoess eine neue Niederlassung seiner Firma gründete.

Von 1993 bis ins Jahr 2000 arbeitete Herbert Schoess dann am Stammsitz der Firma KSB in Homburg an der Saar. „Dort wohnten wir ganz in der Nähe des Golfplatzes. Also haben Eva und ich sehr intensiv das Golfspielen erlernt“, berichtet Schoess. Die beiden sind mittlerweile bereits seit 55 Jahren verheiratet. „Meine Frau hat mich immer unterstützt und mir gerade bei meinen Hobbys vieles ermöglicht“, dankt der Oldie seiner Gattin.

Als die Eheleute Schoess in ihr bis dato vermietetes Haus nach Lilienthal zurückkehrten, gab es den Golfplatz in Lilienthal noch gar nicht. Also trat Herbert Schoess zunächst dem GC Wümme in Rotenburg und anschließend dem GC Oberneuland bei. Erst vor drei Jahren wechselte der Routinier schließlich zum GC Lilienthal. Weil Herbert Schoess in all den Jahren weltweit beruflich unterwegs war, hat er auch so manchen Golfplatz kennengelernt. „In Tokio habe ich Bälle auf dem Dach eines Hochhauses in Netze geschlagen“, erzählt der 81-Jährige. Er habe zum Beispiel auch in der philippinischen Hauptstadt Jakarta Golf gespielt. „Der schönste Golfplatz liegt jedoch am Rio de la Plata in Uruguay. Der Platz befindet sich direkt an der Pazifik-Mündung“, schwärmt Schoess noch heute. Auch in den USA, Frankreich und England schwang er privat oder mit Geschäftspartnern den Golfschläger.

Im Jahre 2002 ging der Diplom-Ingenieur in Rente. Seitdem hat er viel Zeit, um seiner Golf-Leidenschaft zu frönen. Er gehört auch der HMG-Gruppe des Vereins, also den Herren-Mittwochs-Golfern an. Sein Handicap liegt bei -27. „Das musste ich mir hart erarbeiten“, sagt Schoess. Einen übertriebenen Ehrgeiz lege er dabei jedoch nicht an den Tag. Zu seinen besten Zeiten lag sein Handicap auch schon einmal bei -24. „Alle fünf Jahre werden meine Schläge aber etwas kürzer“, stellt der Golfer fest. Viele Kollegen in seinem Alter würden versuchen, diesen Umstand mit Material zu kompensieren. Dabei werde vor allem Metall verwendet. „Das kommt für mich aber nicht in Frage“, bekräftigt Schoess.

Von gesundheitlichen Problemen sei er bislang weitestgehend verschont geblieben. „Ich möchte noch nicht mit einem Wägelchen über den Golfplatz fahren“, sagt der rüstige Rentner, der nach seiner beruflichen Laufbahn auch noch für zehn Jahre ehrenamtlich im Wirtschafts-Senioren-Netzwerk in den Landkreisen Osterholz und Rotenburg junge Unternehmen bei ihren Anfängen unterstützte. Turniere bestreitet er aber inzwischen nur noch für seinen Verein, wenn Not am Mann ist.

Schoess spielte früher, ebenso wie seine Gattin, Tennis und trat im Jahre 1979 dem TC Lilienthal bei. „Damals hatten wir noch eine Wartezeit von einem Jahr, bis wir uns endlich dem Verein anschließen konnten“, teilt der Allrounder mit. Als der Beitritt gerade vollzogen war, folgte bereits die Abordnung nach Venezuela. „Wir hatten bereits das Eintrittsgeld gezahlt, aber nie in Lilienthal gespielt. Aus der Ferne haben wir dann den Vertrag gekündigt“, lässt Schoess wissen. Jahrelang gehörte er auch der Radsportgruppe der Firma KSB an, die jedes Jahr europaweite Touren unternahm. Mit zunehmendem Alter verlor Schoess jedoch das Interesse am Radsport.

Herbert Schoess bevorzugt das Neun-Loch-Spiel, kann es aber dennoch kaum erwarten, dass die Erweiterung der Lilienthaler Golf-Anlage auf 18 Löcher im kommenden Frühjahr eröffnet wird: „Darauf freue ich mich unheimlich, weil ich dann auch mal andere Bahnen absolvieren kann.“ Schoess lobt den Vorstand des GC Lilienthal in den höchsten Tönen: „Dort agieren äußerst geschickte und sympathische Leute.“ Er sei auch stolz auf seinen Verein, weil der es Christophe Schuler ermögliche, an den Special-Olympics in Abu Dhabi teilzunehmen. Schoess habe in seiner sportlichen Laufbahn viele Freundschaften geschlossen. „Mein Klubkollege Richard Wagner hat zum Beispiel schon beim GC Wümme mit mir zusammengespielt. Er ist mir dann nach Lilienthal gefolgt. Auch unsere Frauen verstehen sich gut“, informiert der 81-Jährige, der noch lange nicht an ein Ende seiner sportlichen Aktivitäten denkt.

Quelle:

Wümme Zeitung von Donnerstag, den 30. Dezember 2018

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