Etikette und Golfregeln

Liebe Golffreunde,
gerade liegen die Clubmeisterschaften hinter uns – der Höhepunkt im Golfjahr. In der Vorbereitung darauf trainieren wir hart, der Pro wird mehrfach konsultiert und in einer Vielzahl von Turnieren stellt ein Jeder sein Können unter Beweis.
Wir vom Spielausschuss haben allerdings bemerkt, dass im Eifer des Spiels wichtige Grundlagen der Etikette in den Hintergrund rücken, eine Vielzahl an Golfregeln nicht abrufbar ist und so manches Mal das zügige Spiel „hinten rüber“ fällt. Wir möchten Euch gerne einmal auf eine Runde über den Platz mitnehmen.
Alle auf einmal?! Das geht leider nicht, daher laden wir Euch an dieser Stelle ein, gedanklich mit auf eine schnelle Runde über unseren Platz zu kommen.

Einen Moment noch, ich geh vorher noch einmal ins Clubhaus, um mich zu vergewissern, dass der Platz frei ist und um zu schauen, ob an der Regeltafel irgendwelche zusätzlichen Platzregeln aushängen. 
Die normalen Platzregeln habe ich schon verinnerlicht, (oder nachgelesen: Platzregeln ich habe sie aber auch ausgedruckt und ins Regelbuch gelegt in meinem Bag. 
Gleich daneben liegt mein ausgedrucktes Birdie-Book,  dass ich schon um gesammelte Erkenntnisse aus diversen Trainingsrunden ergänzt habe, das werde ich gleich benötigen.

Auf dem Weg zum Abschlag der 1 kommen wir ins Gespräch:
„Schnelle Runde“ – was heißt das eigentlich?
Nun, allgemein gesprochen:
Die anzustrebende Spielzeit für 18 Loch sind im 3er-Flight zwischen 3:18h (Hcp. 16) bzw. 3:31h (Hcp. 26) bzw. 3:44h (Hcp. 36) und 4:08h (Hcp. .54).
Um einen Platz wie den unseren abzuschreiten, benötigt man ca. 70 Minuten reine Gehzeit. Hinzu kommen 64 Schläge für den Scratch-Golfer, für Schlagvorbereitung und -ausführung benötigt dieser Golfer ca. 1 Minute, sodass er nach 70 + 64 = 134 Minuten wieder im Clubhaus erscheint. Und 130 Schläge sind es für den Anfänger, der sicherlich etwas weitere Wege auf dem Platz haben wird – entsprechend länger wird er für die Runde benötigen.

Wenn nun ein 3er-Flight nur aus Hcp. 36-Spielern bestünde, so würde dieser Flight insgesamt 3 x (64 plus 36) = 300 Schläge benötigen.
Wenn bei jedem Schlag durch einen der folgenden Tipps zumindest 5 Sekunden eingespart werden könnten, so wäre der Flight ganze 25 Minuten früher im Clubhaus.

Bei unserer Runde über den Platz werde ich gleich auf eben solche Stellhebel zu sprechen kommen, mittels derer Ihr Euer Spiel direkt beeinflussen könnt – es wird schneller und besser werden, für den Rest ist Pro Matthias Rollwa zuständig.Hier nun also die Checkliste für ein schnelles Spiel!

Auf dem Abschlag:

  • Startreihenfolge kennen, Scorekarten austauschen, Ball ansagen und den Handschuh anziehen (das richtet sich insbesondere an diejenigen unter Euch, die ohne Handschuh putten)
  • wer die Ehre hat, betritt sofort den Abschlag, der Score vom Vorloch wird notiert, wenn Zeit dafür ist. Die übrigen Spieler verfolgen jetzt den Flug des Balls.
  • Spielbereit sein (richtigen Schläger, Tee, Ersatztee, Ball und Ersatzball in der Hosentasche haben)
  • Ist der Ball außer Kontrolle oder ist er im Flug nicht mehr sichtbar, wird sofort und laut „FORE“ gerufen.


Der Ball ging verdammt nah ans Rough – „ich spiele einen provisorischen Ball:
„Titleist Pro V1 Nr. 2 mit grünem TM markiert“ heißt es korrekter Weise.
Oft höre ich „spiele noch einen hinterher“, „provisorisch“ oder „noch einen“… das ist nicht regelkonform und Ihr habt gerade mit Strafschlag einen neuen Ball ins Spiel gebracht

Auf dem Fairway:

  • wer als nächster dran ist, geht zügig zu seinem Ball. Es empfiehlt sich, das Bag 1,5m rechts von sich abzustellen
  • wer abkürzen möchte oder die Spielbahn nicht einsehen kann, bittet seinen Mitspieler den „Forecaddy“ zu machen. So ist sicher gestellt, dass der Ball gefunden wird.
  • wenn Bälle auf eine andere Bahn fliegen so gilt: Der Flight, der näher zu Loch 18 ist, hat Vorrecht. Der andere Flight begibt sich in eine sichere Position.
  • und wenn es doch mal länger mit der Ballsuche zu dauern scheint – kurzer Blick zurück, wartet dort ein Flight, dann wäre jetzt eine Gelegenheit zum Durchspielen. Klares Handzeichen, sich in Sicherheit begeben und dann beginnt die 5-minütige Suche nach dem Ball.
  • Übrigens: Laut Platzregeln kommt es auf die Schnelligkeit der Spielgruppe an, die wochentags auch bewusst den Einzelspieler einschließt. Lasst schnellere Spielgruppen bitte an geeigneter Stelle durchspielen.

Im Hindernis:

  • Was bedeuten eigentlich die Pfähle in den Farben GELB, ROT, BLAU, WEIß und in Kombination mit GRÜN?
  • Hier hilft es einem selbst ungemein, die Regeln zu kennen. Die helfen und schützen vor der Disqualifikation im Turnier! Selbst Etikette-Verstöße können zur Disqualifikation führen, schaut nach in Regel 33-7.
  • Auf welche Weise darf ich droppen? Wo laufen die Grenzen beim Wasserhindernis und beim Aus, wieso ist das unterschiedlich, darf ich den Ball für unspielbar erklären, darf ich die Pfähle ziehen? Beschäftigt Euch mit den Regeln, es wird für Euch vorteilhaft sein. Die Abbildungen 2 bis 5 geben Euch einen ersten Überblick.


Was leider immer wieder passiert: Der Ball wird ins Rough gespielt, auf den provisorischen Ball wird verzichtet denn: „den finden wir schon!“. Dann werden die fünf Minuten Suchzeit ausgenutzt, nichts wird gefunden, zack, liegt dort ein neuer Ball. „Den erkläre ich für unspielbar“. Auch das ist nicht regelkonform, schaut nach bei Regel 28.

Einen Ball kann ich nur dann für unspielbar erklären, wenn ich ihn finde, sonst nicht. Und gedroppt wird mit ausgestrecktem Arm in Schulterhöhe, nicht durch einen unmotivierten Wurf aus der Balltasche. In diesem Beispiel wäre das Spielen eines provisorischen Balls also angebracht gewesen, es hätte fünf Minuten gespart und den Spielfluss nicht zerstört. Nun geht man zurück zum Punkt, von dem man ursprünglich den Ball ins Rough gespielt hat und droppt mit Strafschlag einen neuen Ball, dessen Marke und Markierung noch dem Zähler mitzuteilen ist.

Rund ums Grün und auf dem Grün:

  • Die Bags so abstellen, dass nach dem letzten Putt ohne Umweg zum nächsten Abschlag gegangen werden kann. Wer erst noch zum Bag zurücklaufen muss, zieht sich völlig zurecht den Unmut des nachfolgenden Flights zu.
  • Bei großen Grüns kann man auch den Mitspieler bitten, dass er das Bag mitnimmt, während man selbst auf die andere Seite muss
  • Liegt man nicht auf dem Grün, sollten neben dem Putter auch ein oder zwei passendes Wedges mitgenommen werden, damit der Ball gut gechippt werden kann
  • zwischen Bunker und Grün sowie auf Vorgrüns und Grüns haben Bags überhaupt nichts verloren – hier kann es berechtigt zu einer Ermahnung seitens des Head-Greenkeepers oder Spielführers kommen
  • Bunker sind für viele von Euch noch furchterregend – manches Mal sogar so furchterregend, dass sie nach dem Schlag fluchtartig verlassen werden. Bevor Ihr den Bunker betretet, legt die Harke parat oder ein Mitspieler holt sie. Der Bunker wird möglichst über die flache Seite betreten, um die steile Bunkerkante nicht zu beschädigen. Steine dürfen laut unserer Platzregel straflos entfernt werden – es dient der Sicherheit. Nach dem Schlag harkt Ihr den Bunker bitte so, dass keine Unebenheiten durch Fußspuren oder Schlag verbleiben, die Harke wird danach außerhalb (!) des Bunkers an der Stelle abgelegt, die am wenigsten Einfluss auf das Spiel hat. Das steht so in unseren Platzregeln.

Warum das Ganze, fragt Ihr Euch? „Ich war doch nur mit einem Fuß im Bunker…“, „…da sind gar keine Spuren von mir…“, „ach das bisschen, lass uns mal schnell weiter spielen, der nächste Flight wartet…“ und es wird mal eben mit dem Eisen durch den Sand gewedelt.
Genau das reicht nicht. Und der nächste spielt einen Ball, der durch die im Bunker abgelegte Harke aufgehalten wird und rollt noch in den Fußabdruck rein. Wie viele von Euch beherrschen Spiegeleilagen aus dem Bunker? Das ist nicht nur höchst ärgerlich, es verzögert auch das Spiel. Mehrere Bunkerschläge, Strafschläge nach verzogenem Bunkerschlag und alles nur wegen eines ungeharkten Bunkers.

  • Jeder Schlag ins Vorgrün oder Grün hinterlässt Eindruck – bei Euch, Euren Mitspielern und auf dem Platz. Bevor geputtet wird, werden eigene und fremde Pitchmarken auf dem Vorgrün und Grün entfernt. Es nicht zu tun ist ein klarer Verstoß gegen die Etikette – wiederholte Verstöße, genau, Regel 33-7… hatten wir ja schon drüber gesprochen.
  • Auf dem Grün wird klar kommuniziert – es ist der Spieler an der Reihe, der am weitesten vom Loch entfernt liegt und es ist egal, ob das auf dem Grün, Vorgrün oder im Rough ist. Der Ball wird markiert, Bedienen oder kann die Fahne raus, achtet auf Euren Schattenwurf und steht nicht in Verlängerung zur Puttlinie… alles beeinflusst die Konzentration und letztlich die Spielgeschwindigkeit.
  • Zum Schluss ein Tipp. Man sieht es leider so oft, dass – wahrscheinlich durch die Tour-Pros inspiriert – das Grün von allen Seiten gelesen wird, es wird hinter dem Ball gekauert, drei Probeschwünge zelebriert, damit der Putt aus acht Metern dann doch wider Erwarten am Loch vorbeigeht. Hier spielt Euch Eure Erwartungshaltung einen Streich. Es ist bei unser aller Handicap unrealistisch zu erwarten, dass solch ein Putt fällt. Also ist es einfacher, die Erwartungshaltung entsprechend anzupassen und die Routine zu verkürzen: Drei Meter hinter dem Ball in die Hocke gehen, kurze Übung: Stellt Euch vor, Ihr schüttet einen Eimer Wasser aus, wie wird es fließen? Links-rechts oder umgekehrt, nach vorne oder nach hinten? Dann einen Probeschwung mit Blick zum Loch fürs Gefühl, Putt ranspielen und der zweite Putt fällt. Der nachfolgende Flight wird Euch dankbar sein und Ihr entwickelt einen besseren Spielrhythmus, der sich im Ergebnis niederschlägt.

Das war’s schon – wir haben die 18 Loch hinter uns!
Mir hat es sehr viel Spaß gemacht. Vielen Dank.
Und mit Blick auf die Uhr, war es schneller als gedacht. Da bleibt uns noch Zeit für ein Getränk… Da ich den „last in“ hatte, geht die Runde auf mich.

Wenn Ihr noch weitergehende Fragen habt, wendet Euch gerne an uns oder zieht die Literatur zu Rate!

Herzliche Grüße, auch im Namen der übrigen Spielausschussmitglieder: Spielführer Frank Hardt, Traudy Hammerström, Heike Mahlmann, Holger Eiserbeck, Maik Fürchtenicht, Gerd Kuhlemeier und Roger Kossann.

Euer Tobias Meyer.




Mein Literatur-Tipp:

Golfregeln kompakt. Ausgabe 2012-2015: Der praktische Regelführer zur Verwendung auf dem Platz. Eine Investition von 12,95 Euro, die sich lohnt und immer im Bag mitgeführt werden sollte.


Abbildungsnachweis:

Die Abbildungen 2 bis 5 habe ich der Golfregel-App „ExpertGolf“ entnommen und findet sich auch in meinem Literatur-Tipp wieder, der Autor ist gleich.